#Kolumne: Leute, wir müssen reden.

#Kolumne: Leute, wir müssen reden.

Vielleicht kriegen es manche von euch mit: Ich habe mich vor einer Weile mit den Instagram Stories angefreundet und plaudere dort seitdem in unregelmäßigen Abständen aus dem Nähkästchen einer Bloggerin. Ich verstell mich nicht, bin meistens gut druff, schneide meine Versprecher selten raus und habe kein Problem damit, auch mal über mich selbst zu lachen. Kurzum: Meist ist die Stimmung in der Feels like Erfurt-Story bestens. Bis heute. Heute musste ich Dampf ablassen – und dabei auch ein paar Kraftausdrücke benutzen. Leute, wir müssen reden.

Das Neuland Internet und seine Tücken

Ich schreibe diesen Artikel zusätzlich zu meinen gesprochenen Worten auf Instagram (siehe Video weiter unten), weil ich glaube, dass es eine Menge Aufklärungsbedarf gibt. Dieses Neuland Internet, das sich doch so langsam durchzusetzen scheint, ist kein rechtsfreier Raum. Man darf dort nicht tun und lassen, was man will.

Das gilt auch für vermeintlich harmlose Aktionen wie das KLAUEN fremder Bilder, die anschließend auf dem eigenen Instagram-Profil hochgeladen werden – und zwar ohne Erlaubnis. Ich will mich nicht wichtiger machen, als ich bin. Ich bin weder Starfotografin noch eine einflussreiche Bloggerin. Aber wenn sich jemand an meinen Fotos bedient, dann werde ich nicht nur zur Diva, sondern zur Sau. Ich schaue mir dieses Schauspiel nun schon geraume Zeit an und stelle mir jedes Mal, wenn ich eines meiner Bilder auf einem fremden Profil sehe, diese Frage:

Weiß die Person nicht, dass sie Urheberrecht verletzt und damit eine Straftat begeht oder handelt sie vorsätzlich?

Ich weiß bis jetzt keine Antwort darauf. Was ich jedoch weiß, ist, dass mich diese vermeintliche Unwissenheit ankotzt. In meiner Instagram-Story hab ich das Thema mangelnde Medienkompetenz angesprochen. Ich gehöre nicht zu denen, die einen Internet-Führerschein fordern. Aber ich gehöre zu denen, die finden, dass das Bewusstsein der Leute für Themen wie Urheberrechtsverletzungen und geistiges Eigentum im WWW geschärft werden muss. Genau darum schreibe ich auch diesen Beitrag. Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger „du, du!“ machen (naja gut, vielleicht ein bisschen), ich will auf die Problematik hinweisen.

Ein umfassendes Problem

Es geht nicht um mich im Speziellen. Es geht um den Umgang mit Fotos anderer Menschen im Allgemeinen. Ich sehe es überall – sowohl in meiner Blogosphäre als auch im privaten Umfeld – dass Leute Fotos auf Facebook, Instagram und Co. hochladen, die garantiert nicht von ihnen sind. Da mal eine hübsche Palme am Strand, dort eine Schachtel voll pastellfarbener Macarons…

Würdet ihr das Bild dem Besitzer auch ungefragt wegnehmen, wenn es ausgedruckt und eingerahmt in dessen Wohnzimmervitrine steht? Wohl eher nicht, das ist ja Diebstahl.

Genau das ist der Punkt! Nur weil ihr euch nicht im Wohnzimmer einer fremden Person, sondern im Internet aufhaltet, bedeutet das nicht, dass ihr euch einfach nehmen könnt, was euch gefällt. Noch einmal in aller Deutlichkeit: Ihr verletzt damit Urheberrecht und macht euch strafbar.

Ich kann nicht verhindern, dass Leute weiterhin Instagram-Accounts anlegen und diese ausschließlich mit fremden (teilweise ohne Erlaubnis geklauten) Fotos füllen. Ich kann auch definitiv nicht nachvollziehen, wo meine Fotos schon überall aufgetaucht sind. Ich weiß nicht mal, ob ich es so genau wissen will. Ich will euch hiermit einfach nahebringen, das geistige Eigentum anderer Menschen zu respektieren. Wenn ihr unbedingt ein fremdes Foto posten wollt, dann fragt den Urheber vorher. Wenn eine Kontaktaufnahme nicht möglich ist, dann lasst die Finger von dem Bild. Es gehört euch nämlich nicht. PUNKT.


Liebste Grüße,

Jessi

Foto: © Jessika Fichtel | Feels like Erfurt 

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

10 Gedanken zu „#Kolumne: Leute, wir müssen reden.

  • 5. Mai 2017 um 14:36
    Permalink

    Du hast es auf den Punkt gebracht!

    Liebe Grüße und trotzdem ein schönes Wochenende!
    Ina

    Antworten
  • 5. Mai 2017 um 17:22
    Permalink

    Liebe Jessi, du sprichst mir aus der Seele!
    Neulich habe ich das Thema in einer Bloggergruppe angesprochen. Dort war – selbst unter Bloggern – der Haupttenor, dass ich mich doch freuen soll. Sei doch tolle Werbung, wenn ich dabei verlinkt werde. Nein, ist es nicht. ICH habe den Zeitaufwand diese Motive zu suchen, zu fotografieren und ggf. zu bearbeiten. Ein anderer klickt download – upload und erhascht Likes. Ne Verlinkung dazu ist vorn Arsch! Das bringt mir vielleicht drei neue Follower, konnte ich schon dank Bilderklau und Markierung sehr gut nachvollziehen. Dafür bleibt, dass ich mich ärgere, weil meine Arbeit und mein Zeitaufwand 0 gewertschätzt wird!
    Ein guter Tipp war dann aber doch dabei: Privatleute anschreiben und freundlich darauf hinweisen, Unternehmen gleich ne Rechnung schreiben!
    Übrigens – wer meine Bilder toll findet und Werbung für mich machen möchte, kann gern meinen # verwenden oder mich auf seinen eigenen Bildern verlinken.

    Antworten
  • 8. Mai 2017 um 1:19
    Permalink

    Hast Du schon mal überlegt, wie es sich für den anfühlt, der die Fassade bemalt hat, die Du einfach so mal eben für Dein Blog fotografierst?
    Die Kamera als schnelle Kopier-Maschine, wo jemand anderes stundenlang dran gemalt hat?

    Antworten
    • Jessi
      8. Mai 2017 um 8:51
      Permalink

      Hallo Flexi,
      vielen Dank für deine Ergänzung. Tatsächlich habe ich das noch nicht. Ich gehe davon aus, dass die Künstler wollen, dass ihr Werk gesehen und „in die Welt getragen“ wird. Aber ja, du hast Recht. So gesehen ist die Kamera eine „schnelle Kopier-Maschine“.

      Liebe Grüße,
      Jessi

      Antworten
  • 8. Mai 2017 um 9:52
    Permalink

    Wasserzeichen oder Signaturen für Deine Bilder?

    Antworten
  • 9. Mai 2017 um 14:01
    Permalink

    Hallo Jessi,

    leider hat dein Unmut auch wenn ich dir völlig zustimme kein rechtlichen Halt.

    siehe http://magazin.sofatutor.com/schueler/2017/02/20/was-duerfen-instagram-whatsapp-und-facebook-mit-meinen-fotos-machen/

    „Diese Rechte räumt sich Instagram ein

    Was wäre Instagram ohne Fotos? Nichts! Damit die Fotos ohne Bedenken von anderen geteilt und auf anderen Webseiten eingebunden werden können, beansprucht Instagram Rechte an deinen Bildern. Mit der Anmeldung auf der Plattform hast du automatisch die AGB bestätigt und Instagram diese Rechte eingeräumt. Aber welche eigentlich?

    Das Urheberrecht kann dir niemand nehmen. Denn es ist nicht übertragbar. Das heißt, deine Fotos bleiben deine Fotos. Aber: Instagram hat die „nicht-exklusive, vollständig bezahlte und gebührenfreie, übertragbare, weltweite Lizenz für die Nutzung der Inhalte, die du auf dem oder durch den Dienst postet“ (Stand: Februar 2017). So heißt es in den AGB. Du darfst also mit deinen Fotos weiterhin machen, was du möchtest. Aber Instagram beansprucht für sich das Recht, deine Bilder weltweit zu verbreiten – auch außerhalb der Plattform. Es darf anderen erlauben, deine Fotos zu verwenden und deine Bilder an Dritte verkaufen. Und zwar ohne, dass du gefragt wirst oder etwas von dem Geld abbekommst. Das heißt im Extremfall, deine Fotos können überall auftauchen, z. B. auf Werbeplakaten.

    Löschst du deinen Instagram-Account, sieht es so aus, als seien deine Fotos verschwunden. Aber Vorsicht: Wurden die Fotos weiterverbreitet, können sie weiterhin auf Instagram zu finden sein. Außerdem hat sich Instagram das Recht eingeräumt, alle deine Inhalte, also Fotos oder Videos, zu speichern und diese zu verwenden – unabhängig davon, ob dein Account noch besteht oder nicht.“

    Bedeutet ohne das Du eventuell ein Wasserzeichen oder Metainformationen im Bild hinterlegst, hast Du keine Chance das deine Bilder in irgendeiner Form auf dich geschützt sind. Gutes Beispiel ist http://www.gettyimages.de/ die verwenden ein nicht übersehbares Wasserzeichen. Alternativ wäre auch ein Logo von dir eine Idee.

    Mein Tip: Verwende Instagram nicht unbedingt um dein Produkt zu bewerben (Bilder & Texte) sondern nutze es als Multiplikator.

    Wenn Du möchtest, würde ich dieses Thema in einen der nächsten Social Media Vorträge mit aufnehmen, da wir selber sehr oft mit solchen Themen zu tun haben.

    viele Grüße
    Steve vom Makerspace

    Antworten
    • Jessi
      15. Mai 2017 um 8:50
      Permalink

      Hey Steve,
      ich danke dir für deine Hinweise. Auch wenn ich rechtlich wohl im „Unrecht“ bin, bleibt aber immer noch der moralische Aspekt, über den ich mich weiter aufregen kann und will 🙂 Es ist einfach nicht okay, sich ungefragt Bilder bei den „Kollegen“ zu mopsen.
      Liebe Grüße,
      Jessi

      Antworten
      • 26. Juni 2017 um 13:39
        Permalink

        Hallo Jessi,

        das von Steve herangezogene Zitat besagt nicht, dass jeder sich einfach irgendwelche fremden Bild nehmen und auf irgendeiner Plattform hochladen darf. Denn du hast das Urheber- und Nutzungsrecht. Solange du das Nutzungsrecht an jemanden abtrittst, darf niemand die Bilder irgendwo verwenden. Der Artikel besagt, dass Instagram wie auch Facebook sich die Rechte für sich einräumt, sie dürfen deine Fotos verbreiten. Somit dürfen sie auf der selbst Plattform von anderen geteilt, jedoch nicht neu hochgeladen werden.

        Viele Grüße

        Antworten
        • Jessi
          29. Juni 2017 um 13:58
          Permalink

          Hallo Katha,
          danke für dein Feedback. Zu diesem Ergebnis bin ich inzwischen auch gekommen. Hatte mich dazu nochmal mit einem Medienrechtler ausgetauscht 🙂
          Viele liebe Grüße,
          Jessi

          Antworten

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