„Erfurt braucht keinen Vergleich zu Weimar, Leipzig oder Berlin.“

„Erfurt braucht keinen Vergleich zu Weimar, Leipzig oder Berlin.“

Ich habe Christin, vielen besser bekannt als Kraja oder Krajamine, über Instagram kennengelernt. Eines Tages wurde ich auf ihr Profil aufmerksam und habe mich sofort in das, was sie macht, verliebt. Für mich war klar: Diesen kreativen Menschen muss ich auf Feels like Erfurt vorstellen. In diesem Sinne: Here we go! 🙂


Hallo Kraja, in welchen kreativen Bereichen fühlst du dich am wohlsten?

In allen. Wenn ich kreativ sein darf, dann will ich das sein, ohne mich selbst zu beschränken. Ich hab letztes Jahr unzählige Methoden erforscht, meine Gedanken zu materialisieren. Besonders stechen aber immer wieder Grafik, Illustration und Literatur hervor. Hier fällt es mir sehr leicht, Ideen für mich umzusetzen. Seit Oktober gehört aber auch das Tätowieren dazu. Die eigene Kunst auf Menschen getragen zu wissen, die sie mit Geschichte erfüllen, sie zu einem Teil ihres Lebens werden lassen – das ist für mich ein großer Reichtum.

 

Verdienst du damit auch dein Geld?

Ich formuliere es mal so: Auf meiner #agenda2017 steht, bis zum Ende des Jahres vollständig von der Kunst leben zu können 🙂

 

Kommst du ursprünglich aus Erfurt?

Ich stamme gebürtig aus Nordhausen, aufgewachsen in – Überraschung – Kraja. Schulzeit und Studium hab ich dann in Erfurt und Jena verbracht. Erfurt ist für mich aber immer im Besonderen ein „Zuhause“ gewesen. 

 

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Gar nicht. Für mich gehört das Gestalten, das Finger in der Farbe haben, primär das Zeichnen als Werkzeug der Sprache dazu, seit ich denken kann. Ich erinnere mich daran, im Kindergarten selten anderes getan zu haben. Oder im Matheunterricht. Oder in der Vorlesung….

Aber um ernsthaft darauf zu antworten: im Januar 2016 haben sich meine Prioritäten von einem „normalen“ Job hin zur Kunst verschoben. Ich hatte damals plötzlich so viele Ideen und Inspirationen, dass ich im Spannungsfeld zwischen Beruf und Berufung meinen Fokus auf die Kunst gelegt habe und ins kalte Wasser gesprungen bin. Ich wollte nur noch Malen. Und dieses Ziel verfolge ich immer weiter.

 

Einige deiner Fotos auf Instagram vereinen Realität und Fiktion. Was ist das Spannende an dieser Kunstform?

Auf diese Art zu illustrieren bietet mir die Möglichkeit, ganz direkt zu formulieren, wie ich die Welt begreife. Viele dieser von dir angesprochenen Bilder sind beseelt, bevölkert von kleinen Geistern, die für mich teils metaphorischen aber auch oft rein ästhetischen Charakter haben. Ich finde die Schönheit überall, in all ihren bezaubernden, interessanten, herausfordernden und auch verstörenden Qualitäten.

 

Welche Hilfsmittel braucht es, um so ein Bild zu „zeichnen“?

Diese illustrierten Fotografien entstehen digital. Laptop, Grafiktablett und Photoshop sind mein Handwerkszeug 🙂

Sind die Fotografien auch von dir?

Teilweise. Aber viele davon stammen auch von der Lichtfängerin und Fotografin Juliana Socher aus Dresden. Wir haben uns im kalten Februar letzten Jahres gefunden. In ihren Fotografien habe ich sofort gefunden, was ich selbst in der Welt wahrnehme. Auf die gleiche Weise in Szene gesetzt, die gleichen Geschichten erzählend. Am Anfang fiel es mir unendlich schwer, in ihre Fotografien zu zeichnen, weil ich sie in sich schon so perfekt fand. Aber ihre Geduld und mein Chaos haben sich sehr schnell ineinander verwoben und den Geistern ein Nest geschaffen. 

 

Mit welchen Wünschen kann man sich an dich wenden? Was kannst du alles zaubern?

Von mir kann man sich wünschen, gemeinsame Projekte anzugehen, Ungewöhnliches zu probieren. Aber natürlich kann ich auch grafisch Wünsche erfüllen. Vom Fotoshooting mit Juliana für illustrierte Paar- und Portraitfotografie bis zum Kunstdruck, vom Konzipieren einer Tattooidee bis zur fertigen Hautmalerei. 

 

Was sind deine Ziele für 2017 – außer vollständig von der Kunst zu leben?

Neben dem materiellen Auskommen ist es einfach immer das Kennenlernen der interessanten Menschen Erfurts, das Bereisen neuer Orte, Neues zu sehen. Ich glaube, das fasst es gut zusammen: mein Ziel für 2017 ist, ganz viel Neues zu lernen. 

 

Wie würdest du die Kreativ-Szene von Erfurt beschreiben – falls es so etwas gibt?

Natürlich gibt es die! Mag sie auch noch so heterogen sein, sie existiert. Erfurt braucht keinen Vergleich zu Weimar, Leipzig oder Berlin. Wir haben hier keine Kunsthochschule, die vielleicht den Kreativen eine institutionalisierte Plattform geben kann – aber ich sehe viel Engagement. Vielleicht wird es oft übersehen, vielleicht kann nicht alles umgesetzt werden, aber es gibt sehr wohl diese Abende, an denen zehn Köpfe voller irrer Ideen an einem Tisch zusammensitzen und darüber nachdenken, die Kunst in Erfurt neu zu erfinden. Und es gibt die Läden, die Bars und Locations, die wiederum solchen Köpfen Raum geben. 

Es ist keine Naivität, die das Fehlen von mehr Vielfalt, die Schwierigkeiten für Außergewöhnliches, das Bedrohte, die Verbote einfach übersehen und verschweigen will. Aber ich erlebe, wie sehr die Menschen in meinem Umfeld für ihre Ideen und deren Umsetzung kämpfen. Also existiert die Kreativ-Szene zumindest deutlich in meiner Wahrnehmung.

 

Kann man deine Kunstwerke irgendwo in Erfurt bestaunen?

Im Moment habe ich noch kein eigenes Atelier. Aber ein paar Möglichkeiten, Krajakunst an ein paar Orten in Erfurt anzutreffen, wird es auf jeden Fall geben. Neuigkeiten stehen dann immer auf der Facebookseite.

 

Du steckst nicht nur hinter dem Künstlernamen „Krajamine“ sondern auch hinter Krajachrono. Was hat es damit auf sich?

Die schon erwähnte Juliana Socher arbeitet als Hochzeitsfotografin unter dem Namen „Chrononauts Photography“. Ein Crossover aus unser beider Namen für unsere synergetische Kunst zu finden, lag einfach nahe. Unter diesem Namen bieten wir die illustrierten Fotografien, die Shootings und auch unseren Kalender an, der voller Geister- und Reisefotografien der ganzen Welt ist, die wir im Laufe des letzten Jahres erstellt haben.

Kann man auch Anfang 2017 noch einen deiner Kalender ergattern?

Ein paar wenige handsignierte und per Hand illustrierte Exemplare sind noch zu haben! Über Facebook, die Homepage von Chrononauts Photography oder direkt bei  jul@chrononauts.de kann man einen bestellen 🙂

 

Vielen Dank für das Gespräch.


Fotos: © Krajamine / Chrononauts Photography

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

2 Gedanken zu „„Erfurt braucht keinen Vergleich zu Weimar, Leipzig oder Berlin.“

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