Die Magdeburger Allee und ich. Eine etwas andere Lovestory

Die Magdeburger Allee und ich. Eine etwas andere Lovestory

Ich muss zugeben, dass es bei der Magdeburger Allee und mir ganz bestimmt keine Liebe auf den ersten Blick gewesen ist. Wenn ich ehrlich bin, dann fand ich diese Straße ziemlich lang alles andere als ansehnlich und irgendwie auch ein bisschen zwielichtig. Kurzum: Ich hege so etwas wie eine Hassliebe zu dieser Straße… aus der jedoch so langsam etwas Ernstes wird. Wir haben uns in den letzten Wochen und Monaten angenähert, uns besser kennengelernt und so langsam aber sicher erkenne ich das wahre Gesicht der Magdeburger Allee. Der Anfang einer zarten Romanze.

Wie alles begann…

Unsere erste Begegnung liegt ein paar Jahre zurück. Ich steckte mitten in meinem Bachelorstudium, war auf der (noch zaghaften) Suche nach beruflicher Orientierung und absolvierte darum ein Praktikum beim t.akt Magazin. Mein Arbeitsweg führte mich vier Wochen lang hoch zum Europaplatz – entweder über die Nordhäuser Straße oder via Magdeburger Allee. Variante B war vom Hauptbahnhof aus zwar länger, aber wenn gerade eine Bahn der Linie 1 vorfuhr, dann stieg ich ein. Es war schließlich meist früh am Morgen und Rumstehen verschlang unnötig viel Energie.

Energie, die ich kurz im Anschluss opferte, um mich über die schäbige Straße zu echauffieren, durch die die Straßenbahn ratterte. Ich lernte: Das ist die Magdeburger Allee. Und ich beschloss: Ich mag diese Straße nicht. In meinen Augen war sie einfach nur hässlich.

Sieben Jahre später…

… lebe ich schon eine Weile in Erfurt und habe (mal bewusst, mal unbewusst) die meiste Zeit einen großen Bogen um die Magdeburger Allee gemacht. Nachdem ich sie zum ersten Mal nach meinem Praktikum wieder gesehen habe, musste ich feststellen, dass sich rein optisch nichts verändert hat.

Trotzdem – ich weiß gar nicht so richtig, warum – habe ich irgendwann entschieden, dem Straßenzug eine zweite Chance zu geben. Ich habe mich selbst dazu aufgefordert, etwas genauer hinzuschauen. Und siehe da: Mir gefällt sehr gut, was ich da alles so entdecke. Die Magdeburger Allee mag ein hässliches Entlein sein. Trotzdem – oder gerade deswegen – können sich die inneren Wert umso mehr sehen lassen.

Viel zu entdecken

Eine Büchertausch-Telefonzelle, kulturelle Zentren, ein gemeinnütziges Café-Projekt, vielfältige Ausgeh-Möglichkeiten, ein Plattenladen – das alles und darüber hinaus noch so viel mehr kann auf der Magdeburger Allee oder in einer ihrer Nebenstraßen entdeckt werden. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich auf ein neues Projekt aufmerksam werde, das hier oben im Norden der Stadt lokalisiert werden kann.

Der russische Laden „Goldener Ring“ auf der Magdeburger Allee hält allerlei Kitsch bereit.

So wie zum Beispiel das Stattschloss, ein selbstverwaltetes Hausprojekt oder der interkulturelle Garten. Ziemlich wertvoll und darum empfehlenswert finde ich das Erfurter Nordlicht, ein Café, das ausschließlich freitags zwischen 16 und 19 Uhr geöffnet hat und auf Spendenbasis basiert. Das Grundprinzip des Konzepts: Jeder Gast zahlt das für Kaffee, Kuchen und Co., was er für angemessen hält und „entbehren“ kann.

Ein Ort, den ich mir in den kommenden Tagen unbedingt noch etwas genauer anschauen will, ist der Erfurter Nordbahnhof. Das Gebäude beherbergt nämlich nicht nur den Club Frau Korte, sondern auch den Woodstock Recordstore und ein kleines Café. Klingt ziemlich spannend und so, als wäre ein Ausflug in den “hohen Norden“ Erfurts lohnenswert. Ich werde es herausfinden.

Und was noch? Ach, da gibt es wirklich eine ganze Menge. Das Klanggerüst zum Beispiel und natürlich die Saline 34 mit ihrer auffälligen Fassadenbemalung. Auch der Landmarkt, der mittlerweile um ein ansprechendes Bistro erweitert wurde, trägt dazu bei, dass die Magdeburger Allee immer lebens- und liebenswerter wird. Mein ganz persönlicher Tipp (als bekennende Matroschka-Sammlerin): Der russische Laden „Goldener Ring“.

Der kulturelle „Leuchtturm“ im Erfurter Norden: Die Saline 34

Ich weiß, es gibt noch so viel mehr auf der Magdeburger Allee zu entdecken – aber wäre es nicht schrecklich langweilig, wenn ich dir jetzt schon alles verrate? Mein Vorschlag: Schau dich selber ein bisschen um und öffne dich für die eine oder andere Überraschung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du etwas finden wirst, was dich begeistert und was dir zeigt, dass unter der nicht besonders hübschen Hülle der Magdeburger Allee ein riesig großes Herz steckt.

Was muss man deiner Meinung nach unbedingt auf der Magdeburger Allee gesehen haben?


Liebste Grüße,

Jessi

Fotos: Jessika Fichtel | Feels like Erfurt

 

Jessi About Jessi
Jessi ist seit drei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt an ihrem Erstlingsroman.

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