„Manchmal würde ich mir wünschen, dass die Menschen mehr mitgestalten“

„Manchmal würde ich mir wünschen, dass die Menschen mehr mitgestalten“

Friederike Günther gehört zu jenen Personen, die fest in der Erfurter Kulturszene verwurzelt sind. Die 31-jährige schaut nicht nur zu, sondern packt auch mit an. Sie hat bereits bei zahlreichen Projekten mitgewirkt und dafür gesorgt, dass sich etwas verändert. Ihr aktuelles „Baby“ ist die Kulturrauminitiative mit dem Projekt Kulturtausch. Ich habe mit der Wahl-Erfurterin darüber gesprochen.

 

Hallo liebe Friederike, erzähl doch als erstes einmal, wer du bist.

Hi, mein Name ist Friederike Günther, ich bin 31 Jahre alt, wohne seit einigen Jahren in Erfurt und mache hier Kultur.

 

Was genau bedeutet „du machst hier Kultur“?

Ich habe angefangen mit eigenen Veranstaltungen – beispielsweise einem Dokumentarfilm-Festival – und bin dann immer mehr in diese „Kultur-Schiene“ hineingeschliddert. Danach habe ich ein Magazin für Kultur und Wissenschaft in Weimar gemacht, als ich dort studiert habe. Irgendwann sind dann die Leute von „Plattform“ auf mich aufmerksam geworden und haben mich gefragt, ob ich „Ladebalken“ machen will. Das ist ein Projekt, in dem es darum geht, jugendliche Beteiligung zu stärken. Und darüber bin ich dann wiederum zur „Werft“ hier in Erfurt gekommen. Das ist ein Gründerlabor, das ich drei Jahre lang mit betreut habe. Damit verdiene ich meine Brötchen, aber ich misch auch hier und da noch ehrenamtlich mit.

 

Was genau sind denn deine Aufgaben bei der „Werft“?

Das Projekt ist gerade am Auslaufen, das heißt, ich war dort für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, aber auch für die Netzwerkarbeit. Das heißt, dass es meine Aufgabe war, verschiedene Kulturschaffende in Erfurt miteinander zu vernetzen und zu schauen, dass sie besser wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang war ich maßgeblich an der Gründung der Kulturrauminitiative beteiligt.

 

Reden wir kurz über die Kulturinitiative. Hieraus ist ja beispielsweise das Projekt „Kulturtausch Erfurt“ entstanden. Kannst du dazu noch etwas sagen?

Die Kulturraumini war ein loser Zusammenschluss von ganz verschiedenen Kulturräumen wie Saline, Klanggerüst, Nordbahnhof, den Wächterhäusern usw., die gesagt haben: „Wir wollen dafür einstehen, dass es mehr Kultur und mehr Platz für Kultur gibt.“ Daraufhin haben wir vor gut zwei Jahren mit allen möglichen Kulturschaffenden eine Ideenwerkstatt gemacht und uns gefragt, was gut ist, was wir anders machen wollen etc. Daraus entstanden tolle Ideen, von denen viele in die gleiche Richtung gehen: Wir wollen viel mehr miteinander teilen und voneinander wissen. Später kam dann die Bundeskulturstiftung auf uns zu und hat gefragt, was wir da alles machen. Die Leute fanden die verschiedenen Ansätze so cool, dass sie beschlossen haben, das Projekt zu fördern.

Jetzt gerade sind wir dabei, die verschiedenen Formate auszuprobieren, beispielsweise Treffen in Form von „Kulturcamps“, die „Kulturtafel“, bei der sich Leute treffen und wirklich physisch etwas miteinander tauschen können oder die Schatzkammer, in der Leute Gegenstände ablegen und sich ausborgen können. Es soll aber auch eine Homepage geben, auf der Wissen bereitgestellt wird.

 

In den Kulturcamps wird beispielsweise besprochen, was einen so richtig ankotzt in Erfurt. Was wäre das den für dich?

Bisher habe ich noch nicht über Erfurt gekotzt (lacht). Manchmal würde ich mir aber wünschen, dass die Menschen viel mehr Gebrauch von ihrem Recht machen, die Stadt mitzugestalten. Dann gäbe es nämlich viel weniger Anlass, über eine Stadt zu meckern.

 

Wie würdest du den kulturellen Raum in Erfurt allgemein beschreiben?

Erfurt hat schon eine kritische Masse an Akteuren, die immer wieder in den unterschiedlichsten Kontexten auftauchen. Dadurch entsteht viel Neues und das ist auch sehr wichtig für eine Kulturszene. Es ist diese Mischung aus langfristigen, institutionellen Geschichten und temporären Angelegenheiten, die neue Formate ausprobieren, die die Kultur in Erfurt ausmachen.

 

Abschließend frage ich meine Interview-Partner immer gern, was ihr Lieblingsort in Erfurt ist…

Mein Lieblingsort in Erfurt ist eher ein Stadtteil. Ich mag den Norden sehr gerne, weil ich total davon überrascht bin, was sich in den letzten Jahren alles daraus entwickelt hat – zum Beispiel, wie auf einmal aus einem Bahnhof ein Club werden konnte oder wie so ein abgeranztes Gründerzeit-Haus wie die Saline plötzlich ein Ort ist, an dem ganz viele Künstler zusammen arbeiten. Geht man drei Straßen weiter, ist man allerdings auch sofort im Dorf oder vor dir steht eine Ziegenherde. Es ist hier einfach total vielfältig und das mag ich richtig gern.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Foto: © Friederike Günther

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

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