Second Hand mal anders: Oxfam Erfurt spendet alle Einnahmen

Second Hand mal anders: Oxfam Erfurt spendet alle Einnahmen

Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt, ausrangierte CDs und Platten, Bücher, die schon hundertmal gelesen wurden, aber trotzdem nicht weggeschmissen werden wollen. Wir alle haben sie, diese Schätze des Alltags, die uns zwar nicht mehr glücklich machen, aber deswegen noch lange kein Fall für den Müll sind. Wer keine Zeit für den Flohmarkt oder unzählige Ebay-Kleinanzeigen hat, kann sein in die Jahre gekommenes Hab und Gut zu Oxfam bringen – und damit noch etwas für den guten Zweck tun. Was dahinter steckt? Ich erzähle es dir gern.

Die Oxfam-Geschichte

„Oxfam ist ein internationaler Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Oxfam arbeitet weltweit dafür, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen schaffen können, Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung, Trinkwasser und Hygiene-Einrichtungen sowie Unterstützung bei Krisen und Katastrophen erhalten.“

So ist es auf Wikipedia zu lesen und so hat es mir auch Marcus, einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter von Oxfam Erfurt, erklärt. Der Laden unweit vom alten Angerbrunnen ist nur einer von vielen in Deutschland, Europa und der Welt. Entstanden ist der Verbund im Jahr 1942, als Groß Britannien wie viele andere Länder stark vom Krieg gezeichnet war. Das ursprüngliche Ziel von Oxfam ist es gewesen, das Leid der zivilen Bevölkerung zu lindern. Heute, über 70 Jahre später, ist an die Schrecken und Folgen des Krieges kaum noch zu denken. Trotzdem gibt es noch immer weltweit Menschen, die Hilfe benötigen. Genau hier setzt der moderne Gedanke von Oxfam, das eigentlich Oxford Committee for Famine Relief (Oxforder Komitee zur Linderung von Hungersnot) heißt, an. Inzwischen ist Oxfam nicht nur in Groß Britannien, sondern auch vielen weiteren Teilen der Welt tätig. Hier in Deutschland kam die Idee in den 1980er Jahren an. Den Erfurter Oxfam-Laden gibt es jedoch erst seit dem vergangenen Jahr.

Ehrenamtliches Engagement in Erfurt

Rund 30 Leute engagieren sich seit dem 18. März 2015 ehrenamtlich im Oxfam-Shop Erfurt. Einer von ihnen ist Marcus, der durch eine Hilfsaktion für Flüchtlinge im Sudan auf den Verbund aufmerksam geworden ist. Als es hieß, dass Oxfam nach Erfurt kommen soll, stand für ihn sofort fest, dass er ein Teil davon sein will. Nun übernimmt Marcus nicht nur Woche für Woche die Freitagvormittags-Schicht, sondern ist auch Facebook-Beauftragter und der Herr der Schallplatten im Shop.

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Im Gespräch hat er mir erklärt, wie das Konzept von Oxfam funktioniert und auf welche Weise jeder von uns seinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann. Wer im Oxfam-Shop etwas kauft, erweitert nämlich nicht nur sein persönliches Eigentum, sondern spendet automatisch auch für den guten Zweck. Alle Einnahmen, die der Laden generiert, werden nicht wirtschaftlich genutzt und beispielsweise als Lohn ausgezahlt, sondern fließen komplett in ein gemeinnütziges Projekt. Welches genau das ist, kann nicht verallgemeinert  gesagt werden. Oxfam unterstützt die unterschiedlichsten Projekte, Initiativen und Organisationen auf der ganzen Welt, sodass nie ganz klar ist, wohin das Geld am Ende geht. Eines ist jedoch klar: Es kommt bei denen an, die es wirklich brauchen. Anstatt jedoch einfach einen Geldbetrag XY zu überreichen, liegt es Oxfam am Herzen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Das bedeutet beispielsweise, das Brunnen gegraben, Bäume gepflanzt oder auch die Trinkwasseraufbereitung verbessert wird. Mit anderen Worten: Den Menschen, die für Oxfam aktiv sind, ist etwas daran gelegen, selbst Hand anzulegen und vor Ort auch wirklich etwas (zum Guten) zu verändern.

Gespendet wird, was noch „verkaufbar“ ist

Doch woher kommen all die Sachen eigentlich, die du im Oxfam Shop Erfurt kaufen kannst? Ganz einfach: Es handelt sich hierbei um Sachspenden von Menschen, die ebenfalls etwas Gutes tun wollten. Egal ob Kleidung, Accessoires, Schuhe, Haushaltswaren, Bücher, Tonträger oder Spielsachen – gespendet werden darf, was „verkaufbar“ ist, also einen gewissen Qualitätsstandard erfüllt. Um nicht in Sachspenden zu versinken, die kein anderer haben will, behält es sich das Oxfam-Team vor, Sachen, die gar zu mitgenommen sind, abzulehnen.

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Gleiches gilt auch für eine Reihe weiterer Artikel, wie zum Beispiel:

  • Tierpelze
  • Elektro-Artikel
  • Marken-Imitate
  • getragene Kinderschuhe und Unterwäsche
  • Möbelstücke
  • und mehr (siehe Flyer – sorry für die schlechte Lesbarkeit)
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Quelle: Oxfam-Flyer

Wenn du beim Ausmisten etwas findest, das in das „Beuteschema“ von Oxfam passt, kannst du es einfach im Laden abgeben. Die Mitarbeiter schätzen dann den Wert und verkaufen es weiter. Für dich bedeutet das:

  • ein Minimum an Aufwand
  • ein Maximum an gutem Gewissen

Ach, und wenn du einmal da bist, kannst du auch gleich eine Runde stöbern. Bei Oxfam gibt es jede Menge Vintage-Schätze, aber auch moderne Teile zu entdecken. Mir haben es besonders die Bücher und die kleine, feine Schmuckabteilung angetan 😉

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Was gibt es sonst noch zu wissen?

Oxfam Erfurt ist permanent auf der Suche nach neuen Leuten, die Lust haben, sich ehrenamtlich zu engagieren – und zwar auch längerfristig. Da der Laden in Zukunft auch vermehrt das „jüngere Publikum“ ansprechen will, wäre es super, wenn auch im Team ein frischer Wind weht. Wenn du dich nun angesprochen fühlst, kannst du Marcus und den Rest der Oxfam-Family entweder via Facebook (Oxfam Shop Erfurt) oder Email (shopinfo@oxfam.de) beziehungsweise telefonisch (0361 64432637) erreichen.


 

Liebste Grüße,

Jessi

Fotos: Jessika Fichtel | Feels like Erfurt

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

4 Gedanken zu „Second Hand mal anders: Oxfam Erfurt spendet alle Einnahmen

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  • 25. November 2017 um 7:29
    Permalink

    Oxfam hilft nicht nur anderen, was sehr wichtig ist sondern auch mir als Mitarbeiter. Ich bin seit einem reichlichen Jahr Rentner und habe hier eine Aufgabe gefunden. Unter freundlichen Kollegen einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Nicht den ganzen Tag im Fenster lümmeln und am Alter verzweifeln. Ich kann nur nochmals darauf verweisen das Leute, Mitmenschen, die sich zu so einer Sache befähigt fühlen mittun und damit Gutes erreichen können

    Antworten
    • Jessi
      25. November 2017 um 10:44
      Permalink

      Hallo lieber Frank,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es ist toll, zu lesen, dass Oxfam auch in dieser Hinsicht behilflich ist.

      Liebe Grüße,
      Jessika

      Antworten

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