Wenn ich nur einen Tag in Erfurt wäre… Ein Städtetrip in die Thüringer Landeshauptstadt

Wenn ich nur einen Tag in Erfurt wäre… Ein Städtetrip in die Thüringer Landeshauptstadt

Vor ein paar Wochen wurde ich nach Tipps für einen Städtetrip nach Erfurt gefragt. Ich verschickte nicht ganz ohne Stolz meine Liste mit 101 Dingen, die du in Erfurt gemacht haben musst, stellte aber kurz darauf fest, dass diese sinnlos für meinen Gesprächspartner war. Er wollte nämlich wissen, was man so gemacht haben muss, wenn man nur einen Tag in der Stadt ist. Puh, 101 Dinge an einem Tag wären ziemlich sportlich – um nicht zu sagen: unmöglich. Ich entschied kurzerhand, dem Fragenden ein „Individualprogramm“ für einen Tag in Erfurt zusammenzustellen – das ich nun gern auch mit dir teilen möchte.


Städtetrip: The very best of Erfurt

Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder von uns andere Highlights in Erfurt nennen würde, wenn wir danach gefragt werden würden. Bitte verstehe die nachfolgenden Infos also als meine persönlichen Empfehlungen und nicht als das Nonplusultra 😉 Da auch ich längst nicht jeden Winkel von Erfurt kenne und beispielsweise noch in keinem einzigen Museum gewesen bin, kann es durchaus sein, dass mir ein paar richtig heiße Tipps durch die Lappen gehen. Niemand ist allwissend und so darf sich jeder, der diese Zeilen liest, frei fühlen, einen schönen Tipp zu ergänzen (aber wirklich nur the very best of, ge?!).

*Werbung: Anreise nach Erfurt

Wer Erfurt unsicher machen will, muss selbstverständlich erst einmal anreisen. Die gute Nachricht gleich vorweg: Das ist das reinste Kinderspiel. Erfurt liegt an einem Autobahnkreuz (A4 + A71), ist ICE-Knoten und hat sogar einen kleinen Airport! Gar nicht mal so schlecht für die Thüringer Provinz, oder? 😉 Egal ob mit Auto, Fernbus, Zug oder Flieger – deine Reise nach Erfurt kannst du ganz genau auf deine Ansprüche und Wünsche anpassen.

Bei so viel Auswahl kommen wir jedoch gleich zu einem ganz anderen Problem – nämlich der Frage, welche Reise-Verbindung die günstigste (oder auch die schnellste) ist. Ehe du dich jetzt in wilde Recherchen und den Vergleich unterschiedlicher Anbieter stürzt, möchte ich dir gern die Plattform GoEuro* empfehlen. Auf der Homepage und auch via App kannst du ganz bequem Start- und Zielort eingeben und dann alle Reise-Möglichkeiten vergleichen. Das ganze funktioniert übrigens nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch bei Reisen ins Ausland 🙂

Ein früher Start auf der Krämerbrücke

Da der frühe Vogel bekanntlich den Wurm fängt, schlage ich vor, den Tag in Erfurt schon in den Morgenstunden zu beginnen und dann auch gleich zum absoluten Highlight der Stadt, der Krämerbrücke zu gehen. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass du dich hier ganz in Ruhe und ungestört umschauen kannst, während alle anderen Touris noch in ihren Betten liegen. Gerade im Sommer (speziell zum Krämerbrückenfest) und in der Vorweihnachtszeit kann es ziemlich eng auf der Krämerbrücke werden. „Dummerweise“ ist sie dann aber auch besonders schön anzuschauen:

Um die Brücke in all ihrer Pracht und Einzigartigkeit genießen zu können, empfehle ich dir, etwas Zeit mitzubringen. Es ist keinesfalls damit getan, einmal drüber zu laufen. Die Brücke will erlebt, mit allen Sinnen wahrgenommen werden. Stöbere in den Lädchen. Fotografiere liebevolle Details, sauge den Duft von Gewürzen und Schokolade auf, suche dir ein schönes Souvenir aus. Die Krämerbrücke ist ein wirklich magischer Ort

Im „Haus der Stiftungen“ kannst du dich nicht nur über die historische Krämerbrücke informieren, sondern auch in einen der Brückenpfeiler hinabsteigen.

Ein Königreich für Schlemmer

Wenn du vor dem Erkunden der Brücke noch nichts gefrühstückt hast, kannst du diesen Programmpunkt auch gleich hier erledigen. Da wäre zum Beispiel das ganz und gar charmante Lokal „Mundlandung“, das für sein tolles Frühstück bekannt ist. Wenn nichts mehr frei ist, kannst du auch auf das Nüsslein ausweichen. Nach dem Frühstück Lust auf etwas Süßes? Dann schau U N B E D I N G T bei Goldhelm vorbei. Ich glaube, dieser Tipp ist mittlerweile in jedem Erfurt-Stadtführer zu finden. Anders kann ich mir den enormen Andrang (und zwar zu jeder Jahreszeit) einfach nicht erklären. Wenn du dich nicht entscheiden kannst, ob du lieber Schokolade oder Eis naschen willst, empfehle ich: beides! Vertraue mir.

Spaziergang durch das alte Erfurt

Auch wenn Erfurt offiziell als Großstadt bezeichnet werden darf, ist es hier alles andere als großstädtisch. Viele Wege können bequem per Fuß erledigt werden – und manchmal macht es die Schönheit der Gassen auch absolut notwendig, auf Verkehrsmittel zu verzichten. Wenn du genug von der Krämerbrücke gesehen hast (die nun sicherlich auch schon wieder sehr belebt ist), empfehle ich einen kleinen Spaziergang durch das alte Erfurt. Hier erwarten dich malerische Häuser, enge Gassen, viel Grün und die verzweigten Flussläufe der Gera. Das klingt nicht nur absolut romantisch, das ist es auch. 

Mein Routen-Vorschlag: 

Verlasse die Krämerbrücke über die Gasse zwischen Nüsslein und Faustus. Genieße noch einmal den Anblick der Brücke und laufe dann über den kleinen Damm zwischen den beiden Gera-Armen. Folge diesem Weg, bis du in die Furthmühlgasse kommst. Diese führt dich weiter zur Michaelisstraße. Biege nach rechts ab und lass die schönen Häuser auf dich wirken. Biege schließlich nach links in die Pergamentergasse ab und drehe eine Runde durch das wundervolle Andreasviertel (die genaue Wegbeschreibung entnimmst du dem Routen-Plan weiter unten). Über die Moritzstraße kommst du schließlich nach Kleinvenedig. Wenn das Wetter mitspielt, kannst du hier eine Pause einlegen und die Füße nach dem Kopfsteinpflastermarsch etwas schonen. Im Sommer kannst du sie sogar ins Wasser der Gera halten. Nach dieser Verschnaufpause kannst du zur Andreasstraße gehen und von hier aus mit der Straßenbahn zum Domplatz fahren. Wenn es deine Füß noch mitmachen, kannst du auch laufen.

Ich weiß, wie anstrengend das Laufen über Kopfsteinpflaster und Asphalt sein kann. Der Spaziergang durch Erfurts Altstadt soll Spaß machen und dir Entspannung bringen. Gönn dir daher ruhig die eine oder andere Verschnaufpause und lass es ruhig angehen.

Zeit für Mittagessen

Nach diesem mittelschweren Marsch ist es vermutlich Zeit für eine längere Mittagspause. Ich persönlich finde es schrecklich, während eines Städtetrips wie eine Wahnsinnige von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu hasten und dabei überhaupt nichts vom Charme des Ortes mitzubekommen. Daher lautet meine Empfehlung: Slow down – schalte einen Gang zurück. 

Erfurt hat wirklich tolle Restaurants, durch die du dich natürlich nach Lust und Laune futtern darfst. Ich würde davon abraten, dir den Bauch zum Mittag vollzuschlagen. Dann bist du am Nachmittag einfach viel zu träge und willst wahrscheinlich nur noch ins Bett. Daher hier zwei Tipps für weniger wuchtige Mittagssnacks.

Das traditionelle Mittagessen: Suche dir einen von den vielen Bratwurstständen in Erfurt. Die Kult-Thüringerin darf einfach nicht fehlen, wenn du schon einmal hier bist! Übrigens: Wusstest du, dass die Erfurter der Thüringer Rostbratwurst sogar mit einem eigenen Fest Tribut zollen? Klingt zugegeben etwas schräg, aber ist vor allem eines: lecker! 

Das moderne Mittagessen: In der belebten Marktstraße findest du das kleine, feine Bistro Kekoa. Hier gibt es zwar nur stark limitierte Sitzplätze, dafür aber richtig gutes, modernes Essen. Ich persönlich liebe das Brot zum selber befüllen (eine Art Döner ganz nach deinem Geschmack) und natürlich die Fritten (manche sagen die besten der Stadt). Wichtig zu wissen: Am Sonntag ist das Kekoa geschlossen!

Was muss, das muss!

Ich bin kein Fan von 08/15-Reisetipps, die du in jedem x-beliebigen Guide findest, doch um einen davon komme ich einfach nicht drum rum. Ein Erfurt-Besuch ohne Selfie vorm Dom ist einfach nicht komplett. Wenn du im Kekoa oder an einem der zentrumsnahen Bratwurstbuden zu Mittag isst, ist der Domplatz nur einen Steinwurf entfernt. Mach dich also mit gut gefülltem Magen auf den Weg zum Domplatz und genieße den Blick auf das imposante Ensemble aus Erfurter Dom und Severikirche. 

Falls dich das Suppenkoma übermannt, kannst du dich ruhig ein bisschen auf den Domstufen ausruhen und das Treiben auf dem Platz beobachten. Nach der kurzen Verschnaufpause ist es dann an der Zeit, etwas wirklich Verrücktes zu machen 😉 Laufe links am Dom vorbei, wirf eine Blick auf die bunten Urban Knittings in der Domstraße und Stiftsgasse und schau dir dann das sakrale Bauwerk von hinten an! Wie heißt es so schön? Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Und ich bin mir sicher, dass du hinterm Dom der einzige Touri weit und breit sein wirst.

individuelles Programm am Nachmittag

Nun ist es ja so, dass jeder Städtereisende andere Vorlieben haben. Die einen gehen gern shoppen, die anderen wollen ein Museum besuchen. Wieder andere sind nach den Strapazen des Vormittags so erschöpft, dass sich sich nur noch ein schattiges Plätzchen in irgendeinem Park suchen und warten, dass Zeit fürs Abendessen ist. Die gute Nachricht: In Erfurt ist all das (und natürlich noch mehr) möglich!

Wenn du shoppen gehen willst, empfehle ich dir einen Bummel über die Lange Brücke und dann einmal den Anger entlang. In den kleinen Gässchen, die abgehen, wirst du überall niedliche Geschäfte wie das Studio Amsterdam finden. Auch der Weg zurück zur Krämerbrücke (durch die Marktstraße und über den Fischmarkt) lohnt sich definitiv, wenn du etwas Geld in Erfurt lassen möchtest.

Falls du mit Kindern unterwegs bist, die so langsam aber sicher zur Mauligkeit neigen, könnt ihr euch auf die gemeinschaftliche Suche nach den Kika-Figuren in der Erfurter Innenstadt machen. Ein Gruppenfoto mit dem Sandmännchen ist ja meiner Meinung nach Pflicht.

Auf der Suche nach einem ausgefallenen Erfurt-Souvenir? Dann mache einen Abstecher in die Pergamentergasse und besuche das Grafik und Design Kollektiv. Hier findest du viele kreative und wirklich abwechslungsreiche Produkte made in Erfurt – vom Bier über Kleidung und Accessoires bis hin zur Holzpostkarte!

Noch mehr Tipps für ein abwechslungsreiches Nachmittagsprogramm (und Anregungen für die nächsten 15 Besuche 😉 ) findest du in meinem Artikel 101 Dinge, die du in Erfurt gemacht haben musst.

Hoch hinaus am Abend

Nach einem aufregenden, aber auch anstrengenden Tag in Erfurt ist es am Abend Zeit für einen abschließenden und belohnenden Höhepunkt (im wahrsten Sinnen des Wortes). Wenn ich Besuch bekomme, dann gehe ich in 98 % aller Fälle mit diesem auf den Petersberg. Warum? Weil das der wundervollste Ort in Erfurt ist (also… meiner Ansicht nach). Was dich dort oben alles erwartet, kannst du hier nachlesen. Oder du lässt dich einfach überraschen 😉 Nur so viel: Die Mühen des „Aufstiegs“ lohnen sich auf jeden Fall!

10 gute Restaurants für ein Abendessen in Erfurt

Ach, eins noch. Falls du bis zum Abend bleibst, wirst du wahrscheinlich irgendwann wieder Hunger haben. Wenn du nicht in deiner Unterkunft isst, kannst du dich von meinen Gastro-Tipps inspirieren lassen. Die, die mit einem * versehen sind, habe ich selbst umfassend getestet und für gut befunden. Von den anderen habe ich schon mehrmals gehört, dass sie empfehlenswert sind. Übrigens habe ich bewusst „gute Restaurants“ geschrieben. Welche die „besten“ sind, kann ich beim besten Willen nicht bewerten. Ich bin Bloggerin und keine Restaurant-Kritikerin 😉 Trotzdem: Guten Appetit! 

Noch mehr Touri-Tipps auf Feels like Erfurt


Viel Spaß in Erfurt und liebste Grüße,

Jessi

Titelbild: © Fotofuchs | Sandy Schulz

Fotos im Beitrag: © Jessika Fichtel | Feels like Erfurt

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

6 Gedanken zu „Wenn ich nur einen Tag in Erfurt wäre… Ein Städtetrip in die Thüringer Landeshauptstadt

  • 14. Juli 2017 um 14:49
    Permalink

    ein sehr schöner Beitrag für Besucher unserer Stadt. Ich hoffe er findet viel Anklang

    Antworten
    • Jessi
      17. Juli 2017 um 9:05
      Permalink

      Hey Thomas,
      danke für dein positives Feedback. Ich hoffe auch sehr, dass er vielen Menschen eine Hilfe ist und dazu animiert, Erfurt einmal einen (Kurz-)Besuch abzustatten.

      Viele Grüße,
      Jessi

      Antworten
  • 20. Juli 2017 um 19:52
    Permalink

    „Im Schnitzler“ ist es wirklich absolut lecker und gehe da gerne mit Freunden hin wenn wir mal in Erfurt sind.
    Diesen Blogpost werde ich mal einer Freundin von mir schicken (Sie wohnt in Bulgarien und will mal nach Deutschland kommen und da ich auch mal arbeiten muss und sie deutsch kann – ist es perfekt)

    Danke für den absolut tollen Blogpost! 🙂

    Liebste Grüße

    Antworten
    • Jessi
      21. Juli 2017 um 8:29
      Permalink

      Hallo Doris,
      wie lieb von dir. Es freut mich, wenn der Artikel vielen Menschen dabei behilflich ist, Erfurt kennenzulernen.

      Viele liebe Grüße,
      Jessi

      Antworten
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