Wie ist es, Statist bei den Domstufenfestspielen Erfurt zu sein?

Wie ist es, Statist bei den Domstufenfestspielen Erfurt zu sein?

Egal ob Opernfan oder nicht, wenn im August die Domstufen zur Bühne werden, kommt keiner in Erfurt um die imposanten Inszenierungen herum. Die Domstufenfestspiele sind deutschlandweit bekannt und sorgen für reichlich Aufmerksamkeit für unser kleines Städtchen. Auch wenn „Der Troubadour“ morgen schon wieder zum letzten Mal gespielt wird, will ich ihm doch noch schnell einen Blogbeitrag widmen. Mich hat nämlich interessiert, wie es ist, als Statist bei den Domstufenfestspielen in Erfurt dabei zu sein. Wie gut, dass ich jemanden kenne, der mir diese Frage beantworten konnte.

Ich habe mich mit Franzi, rechts im Bild, 35, Ur-Erfurterin, Bloggerin und t.akt-Content Managerin getroffen und mir von ihr unter anderem erzählen lassen, wie man Komparse wird, welche Eigenschaften man mitbringen sollte und wie viel Zeit man eigentlich für das Ganze einplanen muss.

„Ich bin da ja eher so reingerutscht“

Franzi, die für‘s t.akt-Magazin die unterschiedlichsten Aktivitäten in Thüringen testet, dachte sich eines schönen Tages, dass es doch mal ganz spannend wäre, ein Casting für die Domstufenfestspiele Erfurt zu besuchen und zu schauen, wie so etwas abläuft.

Aus dem „Nur mal gucken“ wurde dann jedoch recht schnell ein „Ich bin da so reingerutscht“ – denn der Regisseur war von Franzi ganz angetan und machte sie zu einem der zwei Ninjas, die als Leibwache der Gräfin fungieren. Dass sie zugesagt hat, lag letztlich an einem – wie sie sagt – ganz pathetischen Grund: „Einmal auf der Domstufe stehen, wenn Domstufenfestspiele sind – das ist schon cool.“

Info: Die Termine für alle Statisten-Castings vom Theater Erfurt findest du auf der Homepage www.theater-erfurt.de oder auf der dazugehörigen Facebook-Fanpage.

Wie viel Zeit muss man opfern?

Mal eben schnell als Statist bei den Domstufenspielen dabei sein – das geht natürlich nicht. Franzi gewährte mir einen kleinen Einblick in den Terminplan vor der Premiere und verriet, dass die Proben schon im Juni beginnen. Nach der Sommerpause ging es dann ab dem 24. Juli jeden Tag außer sonntags (dafür wird samstags zweimal geprobt) weiter. Pro Probe musst du als Statist etwa drei bis vier Stunden Zeit investieren. Man muss kein Mathe-Ass sein, um zu wissen, dass dabei einiges zusammenkommt.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Im Gespräch ließ Franzi durchblicken, dass das Theater ursprünglich nach Komparsen im Alter zwischen 19 und 25 Jahren gesucht hat. Letztlich, so ihre Erfahrung, kommt es aber am meisten darauf an, den Regisseur davon zu überzeugen, dass man für die Rolle geeignet ist. Eine Opern- und/oder Ballett-Ausbildung ist nicht nötig, um Statist bei den Domstufenfestspielen Erfurt zu werden. Die meisten Statisten haben weder Sing- noch Sprechrollen und müssen sich „im schlimmsten Fall“ nur etwas mehr bewegen.

Was man Franzis Meinung allerdings unbedingt mitbringen sollte, sind Disziplin, Fleiß und (Stress-)Toleranz. Gerade in den endlos erscheinenden Proben, die in aller Regel nach Feierabend stattfinden, muss man häufig die Zähne zusammenbeißen und Geduld an den Tag legen, „weil man einfach viel mit Warten beschäftigt ist. Selbst als Leiche liegst du manchmal zwanzig Minuten auf der Bühne und darfst dich nicht bewegen.“, so Franzi, die (ich spoiler jetzt einfach mal) den Opern-Tod stirbt.

Neben diesen Grund-Voraussetzungen ist es immer gern gesehen, wenn Statisten besondere Begabungen mitbringen. Falls du also Überschläge machen oder mit brennenden Tennisbällen jonglieren kannst (und das zu einer Rolle passt), dann hast du gute Chancen, als Statist ausgewählt zu werden.

Warum tut man sich das an?

Wer bei den Domstufenfestspielen als Statist mitwirken will, darf nicht mit einem Kindergeburtstag rechnen. Im Gespräch mit Franzi habe ich herausgehört, dass es mitunter ziemlich anstrengend und definitiv zeitraubend ist. Warum also tut man sich das an?

Ninja-Franzi versicherte mir, dass es auf jeden Fall Spaß macht. Viele, die zum wiederholten Mal dabei sind, lieben es, auf der Bühne zu stehen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und diese ganz spezielle „Theater-Luft“ zu atmen (etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann!).

Darüber hinaus erhalten Komparsen bei den Erfurter Domstufenfestspielen ein Statistenentgelt, das als eine Art kleine Aufwandsentschädigung verstanden werden kann. Gerade für Studenten (die Domstufenfestspiele fallen immer auf die Sommersemesterferien!) kann sich eine Rolle im Hintergrund also durchaus auch als netter Nebenverdienst entpuppen.

Muss man bei allen Aufführungen dabei sein?

Die Domstufenfestspiele finden in einem Zeitraum von zweieinhalb Wochen statt – und zwar fast täglich. Doch was, wenn man mal nicht kann? Franzi sagte mir, dass es für Statisten grundsätzlich keine Zweitbesetzung gibt – es sei denn, man sagt von vornherein, dass man an bestimmten Tagen nicht kann. „Dann kümmert man sich selbst um eine Vertretung, die die Proben mitmacht.“ Franzi hatte Glück, denn die australische Theater-Praktikantin Sonja kennt das gesamte Stück auswendig und vertritt sie an einigen Tagen.

Die Mutti im Publikum – die Entschädigung für alles

Ich habe Franzi zum Abschluss unseres Gesprächs gefragt, was für sie der bisher schönste Moment bei den Domstufenfestspielen war. Ihre Antwort sorgte tatsächlich für reichlich Gänsehaut bei mir: „Der schönste Moment für mich war, zu wissen, dass meine Mama im Publikum sitzt und stolz auf mich ist.“ Hach!

Ob sie im nächsten Jahr wieder mitmachen will, weiß Franzi aktuell noch nicht. Die zeitliche Belastung ist wirklich nicht zu unterschätzen, aber sie ist sich sicher, dass sie die „Ferienlager-Stimmung“ nach Ende der Domstufenfestspiele bald schon vermissen wird. Sie weiß: Viele, die einmal dabei waren, kommen nicht wieder davon los und so verwundert es auch nicht, dass die meisten der Statisten „Wiederholungstäter“ sind – trotz der großen Belastung.

Danke für das tolle Gespräch, Franzi – und für deine Spontanität ♥


Liebste Grüße,

Jessi

Foto: © Anja Feßer | Hellbunt Fotografie

Jessi About Jessi
Jessi ist seit zwei Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt gerade an ihrem Erstlingsroman.

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