„Die Andere Seite“ kommt nach Erfurt – Frontsänger Tom Schilling im Interview

„Die Andere Seite“ kommt nach Erfurt – Frontsänger Tom Schilling im Interview

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(c) William Minke

Es sind nur noch wenige Tage bis das SommerPalooza Festival in Erfurt startet und wir dürfen uns auf ein vielseitiges Line-Up freuen. Am 10.07. kommt Tom Schilling mit seiner Band „Die Andere Seite“ in die City und stellt sein neues Album „Epithymia“ vor. Wir haben Tom zum Interview getroffen und uns mit ihm über seine Sehnsüchte, seine Bucket List für die Zukunft und einen ganz bestimmten Song namens „Gera“ unterhalten.

Von Sehnsüchten, Schauspielerei und Kreativität

Epithymia – der Titel deines neuen Albums, heißt so viel wie: „die Sehnsucht und das unstillbare Verlangen“ wonach sehnst du dich gerade?

Nach Urlaub. Ich freue mich auf die Ferien und sehne mich danach völlig abschalten zu können und die Bücher zu lesen, die ich lesen will und nicht die ich lesen muss.

Du bist in Berlin geboren und wohnst auch noch da. Als Thüringerin ist mir auf deinem neuen Album gleich der Song „Gera“ aufgefallen. Jetzt muss ich dich natürlich fragen, wie kommt es, dass du gerade über Gera einen Song schreibst?

Das Lied ist mir in Gera eingefallen. Ich habe in einer schwierigen Phase, Zeit in Gera verbracht und die Stadt hatte natürlich auch trostlose Seiten, die ich im Lied hervorgehoben habe. Ich hätte aber das Lied auch anders nennen können, denn die Lyrics sind eher ein Spiegel meines eigenen Zustands damals. 

Gera ist eine wunderschöne Stadt, aber wenn man genauer hinschaut, hat sie viele Probleme. Wie viele andere Städte auch. 

Was ist als Hauptstädter denn eigentlich generell dein Bild von Thüringen?

Ich habe Verwandte in Greiz und landschaftlich habe ich es immer als einen sehr verwunschenen Teil von Deutschland wahrgenommen. 


Wie würdest du denn jemanden, der „Die Andere Seite“ noch gar nicht kennt, deine Musik beschreiben?

Ich würde sagen alternative, Gothik-angehauchte, deutsche Musik, die sehr stark von der deutschen Romantik beeinflusst wurde. 
Meine Musik ist eher mit der Klangästhetik verbunden, die man vielleicht eher aus vom Metal kennt.
Die Instrumente klingen sehr dunkel und die Tempi sind schleppend. Das ist alles eher auf der trübsinnigen, nachdenklichen Seite.

Du schreibst ja auch alle Texte selbst, was sollen das Publikum am Ende eines Konzerts, bzw. nachdem sie die Songs gehört haben, mitnehmen?

Wenn ich Musik mache und schreibe, dann denke ich zuallererst nicht an das Publikum, sondern mache das für mich. Ich möchte mit meiner Musik Erlebnisse und Gefühle verarbeiten, das kann natürlich manchmal auch etwas Unangenehmes sein. Ich transformiere Sachen die mich berühren, zu Musik und mache sie somit zu etwas Gutem. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit den Sachen, die mich beschäftigen, nicht alleine bin und dass viele Menschen ähnlich fühlen. Und es gibt auf jeden Fall Leute, denen das Album ganz viel bedeutet. Und darüber freue ich mich – dass sie meine Musik berührt und dass sie sich gesehen fühlen.

Welcher Künstler, welche Künstlerin inspiriert dich ganz besonders?

Franz Schubert!

Hast du ein:e Guilty Pleasure Musiker:in, die so völlig aus dem Raster deines eigenen Musikgeschmacks fällt?

Nein mir ist aber auch wirklich gar nichts peinlich und ich will mich auch nicht verstecken. Es gibt z.B. Songs von Britney Spears, die finde ich total toll oder Ace of Base habe ich auch immer gerne gehört. Bei mir gibt es da gar keine Ausreißer, ich mag Musik aus vielen Genres. Die einzige Voraussetzung: Musik muss immer sehnsuchtsvoll sein!

Du bist ja auch erfolgreicher Schauspieler und Vater von drei Kindern, wie nimmst du dir in deinem Alltag die Zeit Musik zu machen und kreativ zu sein?

Bei mir hat alles seine Zeit. Ich bin mein eigener Chef und wenn ich das Gefühl habe, dass ich mir gerade Zeit einräumen muss, um Lieder zu schreiben, dann kann ich das auch einrichten. Viele Lieder schreibe ich auch während ich drehe.

Bist du auf der Bühne ganz du selbst oder schlüpfst du ganz nach alter Schauspieler-Manier wieder in eine Rolle?


Wann ist man schon ganz man selbst? Das ist auch eine der Fragen, mit denen ich mich beschäftige. Ich nehme mir auf der Bühne nichts vor. Sondern ich versuche meine Lieder zu singen und mich nicht zu bewerten. Die Art wie ich mich dann auf der Bühne bewege ist das, was aus mit rauskommt und das ist alles sehr pur und unverstellt.

Ich habe in einem anderen Interview gelesen, dass du sehr fasziniert von Extremsituationen bist. Jetzt hatten wir, bzw. haben immer noch seit zwei Jahren eine Extremsituation, die uns direkt betroffen hat. Wie hat dich die Pandemie als Künstler betroffen?

Ich habe das ganz gut verkraftet und man muss aber dazu sagen, dass ich meinen Lebensunterhalt nicht damit verdienen muss auf der Bühne zu stehen, wie das bei vielen anderen Künstlern der Fall ist.

Die Zeit in der Pandemie hat mich beim Schreiben meiner Musik eher entschleunigt und geholfen Gedanken zu fassen und kreativ zu sein. 

Viele haben ja eine imaginäre Bucket-List, was sie noch alles im Leben erreichen wollen. Welche Pläne hast du denn für deine Musik? Was wünscht du dir für die Zukunft? 

Ehrlich gesagt ist es für mich das wichtigste, dass mir auch in Zukunft Lieder einfallen und hoffe, dass es noch ein drittes Album geben wird.
Denn tatsächlich ist das für mich das Schwierigste, ich habe schon nach dem ersten Album gedacht, dass es nicht mehr weitergeht und bin jetzt ziemlich stolz auf das Album, weil es genauso klingt, wie ich es haben wollte. Und ich habe jetzt erstmal das Gefühl, dass ich nichts mehr zu sagen habe und muss jetzt wieder darauf vertrauen, dass ich wieder inspiriert werde. Denn dieser Prozess, vom weißen Blatt Papier bis zur fertigen Platte macht mir wirklich viel Freude. 

Zum Abschluss: Kannst du unserer Community noch einen Song, einen Film und ein Buch für diesen Sommer empfehlen, den man unbedingt mal gehört, gesehen oder gelesen haben muss?

Klar!

Lied: Bill Withers – “Ain’t no Sunshine”, oder alles von Nina Simone, Nick Cave sollte man kennen.

Buch: Ich bin großer Fan von Michel Houellebecq, aber das ist auch eher schwere Literatur. Wenn man unser Album gut findet, dann kann man eine gewisse Nähe zu seinem Buch „Serotonin“ herstellen.

Film: „Ein Ticket für zwei“ von John Hughes.

Ihr wollt „Die Andere Seite“ live sehen? Dann kommt am 10.7. zur Messe Erfurt, es gibt noch Tickets!

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