Mode aus Holz im Pop-up-Store – Ein Interview mit [ot ku’thüʁ]

Mode aus Holz im Pop-up-Store – Ein Interview mit [ot ku’thüʁ]

Inhaltsübersicht
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Haute Couture muss nicht in jeden Kleiderschrank, aber [ot ku’thüʁ] ganz bestimmt! Verwirrt? Nicht schlimm! Das waren wir am Anfang auch. Aber es ist ganz einfach. [ot ku’thüʁ] ist ein junges Modelabel aus Thüringen.

übrigens: Im Namen allein steckt Thüringen mit der Anfangssilbe schon drin, das Label spielt mit seiner phonetischen Schreibweise aber zeitgleich auf die als Haute Couture bezeichnete Luxuskleidung an.

Mit dieser hat die Thüringer Modemarke sonst allerdings recht wenig gemein. Stattdessen überzeugt [ot ku’thüʁ] durch andere Werte: Die Shirts und Hoodies des Labels sind fair und ohne Chemie produziert. Außerdem bestehen die Kleidungsstücke zum Großteil aus Holz – zu 2/3 um genau zu sein; der Rest ist Baumwolle. Damit steht [ot ku’thüʁ] für Nachhaltigkeit, Vielfalt statt Monokultur – und zudem für Thüringens einzigartigen Charme! Auf den Shirts und Hoodies findet ihr nämlich Thüringen-typische Stickmotive. Bratwurst, Skateichel und Mischwald werden so auf ganz besondere Weise in Szene gesetzt. 

Wir haben die Gründer:innen von [ot ku’thüʁ] im Pop-up-Store F11 am Erfurter Fischmarkt besucht, um mehr über ihre Idee, ihre Visionen und die Zeit hier in Erfurt zu erfahren. 

Wer steckt hinter [ot ku’thüʁ]?

Otkuthür im PopUp Store

Wir sind Marcus, Jakob und Denise und haben mit [ot ku’thüʁ] vor gut einem Jahr unser eigenes Modelabel gegründet. Wir wollen Mode kreieren, die es schafft, auch etwas zu transportieren. Thüringen hat im Allgemeinen nicht die beste Außenwahrnehmung – unserer Meinung nach ganz unberechtigt. Mit unseren Shirts und Hoodies wollen wir diesem Bild entgegenwirken und zeigen, was das Bundesland Thüringen alles zu bieten hat, aber eben auf implizite Art und Weise. Deswegen kam uns die Idee: Wir machen Kleidung und zeigen auf der Brust, was wir in die Welt tragen wollen – nicht riesig und plakativ, sondern dezent und bedeutsam. Deshalb haben wir uns für kleine Stickereien entschieden. Zu unseren derzeitigen Motive zählen wir eine Bratwurst im Brötchen, eine Skateichel, einen Mischwald und ein grünes Herz. Sie repräsentieren Besonderheiten Thüringens, die auch über die Landesgrenze hinaus bekannt sind – eine richtig gute Bratwurst, die Erfindung des Skatspiels und jede Menge Wald; das grüne Herz Deutschlands eben.

Wie kam euch die Idee für [ot ku’thüʁ]?

Otkuthür Stoffbeutel
Otkuthür T-Shirts mit Stick Motiven

Wir saßen Weihnachten 2020 alle zusammen in unserem Heimatort Haina, haben ein paar Bierchen getrunken und darüber geredet, irgendwann mal etwas Eigenes aufzuziehen. Ich (Jacob) wollte schon immer etwas mit Mode machen! Mir ist es selbst sehr wichtig, dass sich Shirts angenehm tragen und nachhaltig produziert sind. Warum nicht also Mode mit unserem Thüringer Background verbinden, dachten sich Denise und Marcus. Da wir die Idee am nächsten Morgen immer noch geil fanden, haben wir nicht lange gefackelt und unser Vorhaben Stück für Stück in die Tat umgesetzt. 

Was macht eure Kleidung besonders?

Otkuthür Produkte

Unsere Kleidung ist nachhaltig, frisch und regt (mit etwas Glück) zum Nachdenken an. Kleidung aus Holz könnte der Standard sein. Das wollen wir in die Köpfe der Menschen bringen. Außerdem haben wir eine klare Botschaft: Wenn wir etwas Neues in die Welt setzen, soll es diese nicht noch mehr belasten, sondern etwas Gutes tun! Nachhaltigkeit ist immer so ein großer Begriff, aber letztendlich umfasst es genau das. Wir versuchen natürlich immer authentisch zu bleiben und uns nicht größer zu machen als wir sind. Deshalb stehen wir auch dazu, wenn etwas mal nicht klappt oder es noch Schwachstellen gibt.

Apropos Schwachstellen: Was waren auf eurem bisherigen Weg die größten Hürden, die es zu überwinden galt?

Wir haben alle etwas anderes gelernt, deswegen hatten wir anfangs keine Ahnung von der Textilindustrie und wussten nicht wirklich, was da alles auf uns zukommt. Aber wir ergänzen uns extrem gut und als Team funktioniert es dann immer irgendwie. Diese gesunde Portion Naivität, mit der wir in dieses Vorhaben gestartet sind, gehört wohl auch dazu, um sowas zu machen. Viele Probleme, die für Expert:innen auf dem Gebiet vielleicht unüberwindbar scheinen, kennen wir zum Beispiel gar nicht. Und wenn uns jemand sagt, etwas geht nicht, ist das für uns ein extra Ansporn es weiter zu versuchen.

Was uns auch aufgefallen ist: Wenn man in der Textilbranche versucht, vom Standard abzuweichen, um etwas Neues auszuprobieren, sind einem unvorhergesehene Hürden sicher. Kürzlich hatten wir zum Beispiel ein Problem mit unseren Hoodies, die wir mit natürlichen Färbemitteln einfärben – das Grün ist von Blättern des Maulbeerbaums und die graue Färbung entsteht durch Kohle. Was wir bis dahin nicht wussten: die Farbe hält nur schwer in den Holzfasern der Kleidung und ist zu Beginn nach dem Waschen immer wieder rausgegangen. Zum Glück hat sich aber schnell eine Lösung gefunden, wie wir die Farbe langanhaltend fixieren können und nun gibt es die Kapuzies endlich auch bei uns im Shop. ;) 

Tragt ihr eure Mode selbst? Habt ihr ein Lieblingsmotiv?

Wir tragen die T-Shirts selbst, ja [Anm. d. Verf. – Das können wir bezeugen, denn die drei sitzen alle in [ot ku’thüʁ] vor uns, jede:r mit einem anderen Motiv auf der Brust], aber ein Lieblingsmotiv zu wählen fällt uns schwer. Die Bratwurst war auf jeden Fall am schwierigsten zu sticken. Am Anfang haben wir nämlich alle Motive selbst gestickt. Wir haben uns eine Stickmaschine gekauft und dann ging es los. Die Bratwurst war so aufwändig, weil sie aus vielen verschiedenen Farben besteht – das hat echt ewig gedauert! Aber dafür verkauft sie sich auch am besten.

Wie gefällt es euch in Erfurt?

Marcus: Also ich wohne seit einiger Zeit wieder in Erfurt und bin hier zuhause. Ich finde die Stadt sehr schön. Ich mag die Größe und lebe einfach super gerne hier.

Denise: Ich finde es super spannend, Erfurt mal ganz anders, eben als Verkäuferin, zu erleben und länger am Stück hier zu sein. Ich laufe oft durch die Stadt und denke: Ist das alles schön hier! Auch Erfurt aus dem Laden heraus kennenzulernen ist total schön. Früher hat es uns oftmals zum Feiern nach Erfurt verschlagen, da war es meistens schon dunkel. Trotzdem finde ich, dass sich Erfurt mit den Jahren wirklich positiv entwickelt hat und heute ganz anders ist, als ich es damals kennengelernt habe! 

Habt ihr einen Lieblingsort in Erfurt? Was ist euer Go To?

Marcus: Hinter der Krämerbrücke ist es sehr schön, oder auf dem Petersberg im Sommer.

Jacob: Ich mag die Gebäude, wenn man Richtung Angerbrunnen läuft. Da muss man nur mal nach oben gucken – wunderschön!

Denise: Für mich gibt es nichts Schöneres, als mich in den kleinen Gässchen in der Erfurter Altstadt zu verlaufen. Hier sehen sich die Straßen teilweise zum Verwechseln ähnlich. Total besonders! 

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir haben ja von Anfang an versucht, so nachhaltig wie möglich zu sein. Daraus ist die Vision entstanden, so viel wie möglich in Thüringen zu produzieren. Komplett in Thüringen zu produzieren, ist momentan noch nicht möglich. Aber genau dieses kleine „noch“ ist unser Antrieb weiterzumachen und herauszufinden, ob es nicht vielleicht doch irgendwie geht. Wir versuchen es einfach.

Ihr habt ja jetzt mit dem Pop-up-Store in Erfurt bereits ein bisschen Ladenluft schnuppern können. Könnt ihr euch vorstellen, einen eigenen Laden zu eröffnen?

Ja, schon. Momentan können wir immer noch nicht richtig glauben, dass wir hier sind. Es macht unglaublich viel Spaß mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Viele sind so hilfsbereit und unterstützend.

Tüftelt ihr im Hintergrund an weiteren Produkten?

Immer! Es gibt noch sehr viel Material, das wir entdecken wollen. Der Austausch mit den Leuten vor Ort ist sehr inspirierend. Ihr dürft also gespannt sein! Und soviel sei gesagt: Es bleibt Thüringen-typisch.

Wer sich die seidig-weichen Produkte von [ot ku’thüʁ] aus nächster Nähe ansehen möchte, kann dem sympathischen Team im Pop-up-Store am Fischmarkt 11 noch bis Ende April 2022 einen Besuch abstatten und sich vor Ort über Materialien und Produktionsbedingungen der Kleidung informieren (geöffnet Mo bis Sa). Wer seiner Neugier sofort nachgehen möchte, kann auch auf der Website des Labels durch den Shop stöbern und feststellen, dass sich [ot ku’thüʁ] auch durch absolut erschwingliche Preise von Haute Couture unterscheidet. Also nichts wie los: Entdeckt die nachhaltig produzierten Shirts und Hoodies – egal ob online oder offline. Ein Win Win für Mensch und Natur.

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