Erfurter im Interview: „Erfurts langersehntes Lastenrad“

Wenn es nach Claudia Hille, der Initiatorin von ELLA geht, hat Erfurt schon bald ein erstes, freies Lastenrad. Was es damit auf sich hat, warum Erfurt ein solches Transportmittel braucht und warum das Fahrrad ausgerechnet Ella heißt, hat mir Claudia im Interview verraten.

 

Hallo Claudia, verrate mir doch erst einmal, wer alles hinter dem Projekt von „Ella“ steckt.

Hinter Ella steckt eine kleine Gruppe von Menschen, die die Liebe zum Fahrradfahren eint. Wir haben uns als Initiative dem Verein Welt(t)raum e.V. angeschlossen, der nun mit uns das Projekt realisiert. Die Idee zum Projekt stammt von mir selbst. Ich bin 29 Jahre alt, arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Erfurt und lebe seit 2009 in Erfurt.

 

Was ist Ella?

Ella ist eigentlich die Abkürzung für „Erfurts langersehntes Lastenrad“. Und Ella soll das erste freie Lastenrad in Erfurt werden. Frei bedeutet in dem Fall: Jeder Erfurter kann das Fahrrad nach einer einmaligen Registrierung kostenfrei ausleihen, um damit zum Beispiel den Wocheneinkauf zu erledigen oder einen Ausflug ins Grüne mit den Kindern zu unternehmen. Da wir das Fahrrad über Crowdfunding, also das Sammeln von Spenden, finanzieren, ist Ella grundsätzlich ein Fahrrad von allen für alle.

 

Welche Idee steckt dahinter?

Im Grunde wollen wir mit Ella vor allem zeigen, dass man in einer kompakten Stadt wie Erfurt nicht zwingend ein Auto benötigt, sondern dass sich viele Wege auch unkompliziert mit einem Lastenfahrrad bewältigen lassen. Die Idee ist, dass man mit Ella einfach mal ausprobieren kann, wie sich ein Lastenrad fährt und wie praktisch so ein Rad im Alltag ist. Mit dem Lastenrad ist man, wie mit einem normalen Fahrrad auch auf Strecken bis zu 5 km immer schneller als mit dem Auto unterwegs. Außerdem spart man sich die lästige Parkplatzsuche und schont die Umwelt.

 

Wann ist der Start von Ella geplant?

Derzeit läuft unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext. Dort kann jeder noch bis zum 11. Oktober für uns spenden. Insgesamt müssen wir 3.500 Euro Spenden sammeln, um Ella in die Realität umsetzen zu können. Wenn das bis zum 11. Oktober klappt, dann wird Ella sicher ab November den Erfurtern zur Ausleihe zur Verfügung stehen.

 

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? Gibt es da irgendein Buchungssystem? Woher weiß ich, wo das Rad gerade steht etc.?

In der Praxis funktioniert das so: Man klickt auf www.ella-lastenrad.de und registriert sich dort einmalig als Kunde. Anschließend wird man dann auf den Buchungskalender klicken können, in dem man sieht, wann Ella bereits verliehen und unterwegs ist. Dort wählt man den gewünschten Ausleihzeitraum aus und bucht sich das Fahrrad. Anschließend erhält man ein Codewort, mit welchem man zur aktuellen Ausleihstation geht. Ella wird etwa monatlich den Ausleihstandort wechseln, um auch wirklich stadtbekannt zu werden. Die Standorte wird man aber auch auf unserer Website finden. An der Ausleihstation bekommt man dann den Fahrradschlüssel und dann kann man auch direkt losfahren.

 

Was wird die Benutzung kosten?

Die Ausleihe und Nutzung von Ella wird komplett kostenfrei sein – damit auch wirklich jeder ausprobieren kann, wie das Leben ohne Auto und mit Lastenrad funktioniert. Trotzdem freuen wir uns natürlich auch dann noch über kleine Spenden, um einen reibungslosen Betrieb zu sichern. In unserer aktuellen Crowdfunding-Kampagne sammeln wir auch gleich einen Puffer für Reparaturen und Wartungsarbeiten. Wenn dieses Geld aufgebraucht ist, wollen wir alles weitere mit Fördermitteln finanzieren.

 

Wie kann man das Projekt unterstützen?

Am besten besucht man uns auf Startnext und spendet uns dort einen kleinen Betrag. Wir bieten für die Spende auch sogenannte „Dankeschöns“ an. Vom Sattelschutz bis Fahrradtour ist da alles dabei. Zudem hilft es uns natürlich auch, wenn ganz Erfurt über Ella spricht. Also einfach allen Menschen, die man so kennt, von Ella erzählen!

 

Sind für die Zukunft noch mehr Lastenfahrräder in Erfurt geplant?

Ja auf jeden Fall. Wir wollen über die Crowdfunding-Aktion zunächst ein Rad finanzieren. Wenn deutlich mehr als die 3.500 Euro zusammen kommen, dann würden wir direkt mit zwei Rädern starten. Das hätte den Vorteil, dass man zwei verschiedene Modelle anschaffen könnte und sich nicht auf eines festlegen müsste. Zudem recherchieren wir schon, bei wem wir Fördermittel für ein zweites Rad beantragen können. Also am Ende sollten es demnach mindestes zwei Räder sein!

 

Gibt es so etwas schon in anderen Städten?

Ja auch in anderen Städten gibt es Initiativen für freie Lastenräder. So ist beispielsweise Köln mit dem Rad „Kasimir“ großer Vorreiter in Deutschland. Aber es gibt auch noch andere Lastenräder, z.B. „Hannah“ in Hannover oder „Lasse“ in Münster.

 

Warum braucht Erfurt Ella?

Erfurt braucht Ella, weil es in Sachen Radverkehrsförderung noch ziemlichen Nachholbedarf in der Stadt gibt. Zwar wird kontinuierlich das Radwegenetz verbessert, doch um noch mehr Autofahrer für das Radfahren zu begeistern, braucht es eben auch kleine Projekte wie Ella, mit denen man einfach mal ausprobieren kann, wie es ohne Auto so ist. Wir erhoffen uns durch Ella also auch mehr Aufmerksamkeit für Radfahrende und nachhaltige Mobilitätsgestaltung zu schaffen. Zudem bietet sich die Stadtstruktur mit ihren vielen kleinen und engen Gassen geradezu für das Fahren mit einem Lastenrad statt mit einem Auto an.

 

Danke für das Gespräch :)

 

 

 

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Jessi

Jessi ist die Gründerin von Feels like Erfurt, die im März 2015 die Idee für den Städteblog hatte und ihn kurzerhand ins Leben rief. Auch wenn sie inzwischen nicht mehr in Erfurt lebt, besucht sie die Landeshauptstadt regelmäßig und verliebt sich jedes Mal aufs Neue.

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