Ode an die Bratwurst

Ode an die Bratwurst

Was dem Norddeutschen sein Fischbrötchen und dem Bayer seine Hax’n, ist dem Thüringer seine Rostbratwurst.

Und weil die Thüringer so unglaublich stolz auf ihre Wurst sind, sie wie eine Sehenswürdigkeit hypen und nicht jede Thüringerin wie die andere schmeckt, wird in Erfurt jedes Jahr das große Angrillen gefeiert. „Grillen?“, denk ich mir im Stillen, als ich mich vor dem Besuch der „Rostkultur 2015“ über die Veranstaltung informiere. Welcher echte Thüringer „grillt“ denn bitteschön? Naja, sei es drum… Bei der weiteren Recherche staune ich noch mehr. Nicht nur, dass das Bratwurstfeuer vom Bratwurstmuseum Haarhausen zum Erfurter Domplatz gebracht wird, um feierlich den weltgrößten Rost zu entzünden, auch der offizielle Bratwurstkönig und seine Königin geben sich die Ehre bei der Eröffnung der Bratwurst-Saison. Na dann… nichts wie hin!

Welche Wurst ist die beste?

Das aus meine Sicht wirklich Interessante an der „Rostkultur“ war, dass Metzger aus ganz Thüringen ihre Bratwürste dem hungrigen Publikum präsentieren und man sich quasi durch den ganzen Freistaat futtern kann. Denn was viele im Rest Deutschlands nicht wissen: Thüringer ist nicht gleich Thüringer! Während man im Osten auf Kümmel in rauen Mengen schwört, würzt man im westlichen Thüringen bevorzugt mit Majoran. Auch was Dicke, Länge und Konsistenz der Wurst angeht, gibt es merkliche Unterschiede, die für Feinschmecker eine große Rolle spielen.

Mutige konnten einen Ritt auf dem Wurst-Rodeo wagen
Mutige konnten einen Ritt auf dem Wurst-Rodeo wagen

Mein Freund und ich machten uns also mit gehörigem Bratwurst-Appetit auf den Weg zum Domplatz. Dort angekommen, boten sich uns nicht nur die angekündigten unterschiedliche Wurst-Stände aus allen Thüringer Regionen, sondern eine wahre Ode an die Bratwurst. Begeisterte Besucher fachsimpelten über die perfekte Wurst, das Wurst-Rodeo stand bereit für einen wilden Ritt, in der Thüringer Wurst-Manufaktur konnte man die Herstellung des Leckerbissens hautnah miterleben und eine Band spielte Lobeshymnen am laufenden Band („Bratwurst, Senf und Bier, ja das wünsche ich mir.“). Ich konnte nicht anders: Ich musste lachen.

Alles Geschmackssache

Doch zurück zum Wesentlichen: Wir waren hier zum Essen! Mein Freund und ich entschieden uns für eine Kalbsbratwurst vom Rennsteig und eine Schweinebratwurst aus Weimar – beide natürlich verfeinert mit Senf. Während mir Nummer 1 überraschend gut geschmeckt hat, war die Weimarer für meinen (westthüringer) Geschmack zu „kümmelig“. So ist das mit der Original Thüringer Rostbratwurst. Alles Geschmackssache ;)

Fazit: Das Erfurter Angrillen ist eine interessante, aber auch etwas merkwürdige Veranstaltung, die zweifelsohne fest zur Stadt und zu Thüringen gehört. Das wahre Highlight für mich waren jedoch nicht die unterschiedlichen Würste aus ganz Thüringen, sondern dass alle Metzger so viel Rückgrat bewiesen und keine vegetarische (oder gar vegane) Wurst angeboten haben! Ist ja heutzutage alles nicht mehr selbstverständlich ;)

About Jessi
Jessi ist seit vier Jahren Wahl-Erfurterin. Ihren Wohnortwechsel hat sie zum Anlass genommen, einen Blog (über die Thüringer Landeshauptstadt) zu starten. Wenn sie sich nicht gerade um ihr Baby Feels like Erfurt kümmert, arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt an ihrem Erstlingsroman.

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