Streetart Erfurt: Die bunte Seite der Stadt

Streetart Erfurt
Inhaltsübersicht

Während die klassischen Museen momentan noch auf unbestimmte Zeit geschlossen sind, hat dieses Erfurter Museum immer geöffnet: die Straße. Egal ob an Mauerwänden oder Hausfassaden, wer Kunst in Erfurt betrachten möchte, kann dies gut und gerne auch an der frischen Luft. Dass Erfurt in Sachen Streetart mehr zu bieten hat, als sich zunächst vermuten lässt, liegt vor allem an den zahlreichen Graffitis der Stadt. Während einige von ihnen meterhoch sind und Passant:innen bereits aus großer Entfernung zum Staunen bringen, sind andere weniger auffällig und eigentlich nur dann zu finden, wenn man auch weiß, wo man suchen muss. Warum also nicht mal die Spazierroute der Straßenkunst anpassen? Und den Wochenendspaziergang gezielt ein Stück bunter machen? Unsere liebsten Graffiti-Walks durch die Erfurter Stadt(teile) haben wir hier für euch zusammengetragen:

Streetart Erfurt: Die Szene im Norden

Eins steht fest: Der Norden von Erfurt wäre ohne seine Graffitis um einiges trister. Egal ob gesprüht, gezeichnet, geklebt oder gemalt, die Stadtteile Ilversgehofen, Rieht, Roter Berg und Moskauer Platz sind in Sachen Streetart klare Vorreiter in Erfurt. Wenn es Szene gibt, dann wohl hier. Guter Ausgangpunkt für einen Spaziergang ist der Bahnhof Erfurt-Nord. Egal ob ihr von hier zur „Wall of Fame“, einer legalen Graffitiwand, die bei jedem Besuch stets neue Kunstwerke vorzuweisen hat und sich in der Grubenstraße befindet, oder dem aufwendig gestalteten Wohnhausgiebel in der Salzstraße lauft – auf dem Weg werden euch so oder so allerhand Malereien und vielleicht sogar Sprayer:innen begegnen. Noch tiefer im Norden, am Moskauer Platz, erwartet euch ein farbenfrohes Wandmosaik. Das Bild stammt vom spanischen Künstler Joseph Renau (1907-1982), besteht aus 70.000 einzelnen Glasfließen und wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert. Seit Dezember 2020 hängt das Mosaik mit den Maßen 7 x 30 m wieder an seinem rechtmäßigen Platz und kann von Passant:innen bestaunt werden.

Renau Mosaik Erfurt

Eine weitere Perle Erfurter Streetart befindet sich unweit hiervon auf dem Gelände der Garagengemeinschaft „Am Grenzweg“ in der Moskauer Straße. Die Garagenanlage fällt schon von Weitem mit seinen bunten Wandverzierungen ins Auge. Straßenkünstler:innen wird hier die Möglichkeit geboten, sich auf ausgewiesenen Flächen nach Lust und Laune auszuprobieren.

Ein Graffiti-Walk durch den Luisenpark

Für alle, die urbane Kunst mit dem Spazieren im Grünen verbinden möchten, ist dieser Graffiti-Walk durch Erfurt genau das Richtige. Gestartet wird am Mural Art Memory im Dahlbergsweg 9 zwischen Stadtgarten und Alter Oper. 44 einzelne 1,10 x 1,10 m große Bilder zieren die Fassade des Hauses. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass es sich hierbei um ein aufgedecktes Memory-Spiel handelt. Die Paare zu finden ist jedoch nicht immer ganz leicht, denn die Künstler Felix und Till von OQ-Paint haben 22 Begriffe auf ihre eigene Art und Weise interpretiert und umgesetzt.

Nächster Stopp ist der Späti „You Bottle“, ebenfalls im Dahlbergsweg. Hier könnt ihr euch mit einem Getränk eurer Wahl für den Rest des Weges ausrüsten und die bunte, mit Graffitis überzogene Fassade des kleinen Getränkeshops unter die Lupe nehmen. Von hier aus geht es munter weiter Richtung Luisenpark. Immer am Geraufer entlang kommt ihr nach einiger Zeit zur Puschkinstraße, die es zu überqueren gilt. Nicht jedoch, ohne zuvor das größte Comic Erfurts bestaunt zu haben. In 34 Einzelbildern erzählen die Wände der Eisenbahnbrücke die russische Fabel „Die Meise“ von Iwan Krylow nach, ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu benutzen. Habt ihr euch sattgesehen bzw. ausgelesen, gehts weiter an der Gera entlang. Abschluss des Spaziergangs bildet eine zweite Eisenbahnbrücke – dieses Mal auf der Löberstraße. Der Tunnel hier ist mit seinen abstrakten Bemalungen in bunten Farben ein richtiger Hingucker und überrascht je nach Sonnenstand immer wieder anders.

Die Straßenkunst der Altstadt

Neben steinaltem Kopfsteinpflaster erwartet euch in der Erfurter Altstadt allerhand zeitgenössische Straßenkunst. Der Erfurter Künstler Veit Gossler hat sich beispielsweise in der Pergamentergasse gleich neben dem Peckham’s Café & Bistro verewigt. Mit seinem Werk – zwei knutschenden Polizeibeamten – setzt er ein großartiges Zeichen gegen Homophobie. Und das mitten im Herzen der Stadt! Auch an der Langen Brücke gibt es Straßenkunst zu bewundern. Neben einer Erfurter Landkarte finden wir dieses Paste Up hier besonders süß:

Streetart Erfurt Lange Brücke

Anders als bei einem Graffiti wurde das Gesicht auf Papier gemalt und anschließend mit Kleister an der Hauswand angebracht. Ein abstrakteres Werk erwartet euch hinter der kleinen Synagoge. Geometrische Formen in den unterschiedlichen Blautönen laden zum Verweilen ein. Gleich daneben solltet ihr auch das „Haus zur Narrenschelle“ eines Blickes würdigen. Wer dann noch Lust hat, weiter zu spazieren, bitte an Schottengasse, Kunsthof Pianola und Heiliger Grabesmühlgasse vorbei, denn auch hier haben sich Erfurter Künstler:innen verewigt und ausgetobt.

Klein aber fein: Urbane Kunst in der Brühlervorstadt

Wenn ihr auf der Suche nach Graffitis durch die Brühlervorstadt scharwenzelt, dann müsst ihr hier schon ganz genau hinschauen. Neben der eher beschmierten Teegut-Filiale am Finanzzentrum fällt die urbane Straßenkunst in diesem Stadtteil nämlich relativ dezent und überschaubar aus. Dennoch wollen wir euch die kleinen, aber feinen Kunstwerke der Brühlervorstadt nicht vorenthalten. So begegnen euch auf dem kleinen Durchgang zwischen Martinsgasse und Bonemilchstraße zwei abstrakte Damengesichter. Und auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht es feministisch zur Sache. Ein kleiner Blumengruß erwartet euch in der Mainzerhofstraße Höhe Koenbergkstraße – hier wurde ein Laternenpfahl mit Tulpen verschönert.

Einen Abstecher zum leer stehenden Gebäude in der Melanchthonstraße Ecke Lutherstraße solltet ihr ebenfalls bei dieser Tour mit einplanen. Hier hat sich neben dem Künstler VCR gleich noch jemand verewigt. Den Graffiti-Walk durch die Brühlervorstadt schließen wir mit diesen Worten ab. Sagt man sowieso viel zu selten. Gesichtet wurde der Schriftzug in der Heinrichstraße:

Streetart Erfurt: Freiluftkunst rund um den Hauptbahnhof

Auch rund um den Erfurter Hauptbahnhof geht es bunt zur Sache. Da wäre zunächst einmal die Büßleber Gasse zu nennen. Von außen recht unscheinbar und nicht ganz so leicht zu finden, beherbergt die kleine Gasse ein meterhohes abstraktes Kunstwerk des Wiener Künstlers SKIRL. Unweit davon, direkt neben dem Erfurter Bürgeramt, befindet sich schon das nächste Wandgemälde. Wer dann noch nicht genug hat, spaziert weiter zum alten Güterbahnhof. Auf dem Weg dorthin begegnet euch auf der Schmidtstedter Brücke/ Stauffenbergallee unweigerlich eine weitere bunt verzierte Hausfassade, die vor allem den Brillenträger:innen unter euch aus der Seele sprechen wird. Auch ein Abstecher zur Strandwand in der Trommsdorfstraße ist wärmstens zu empfehlen. Die schmale Treppe an der Gerabrücke hinunter erwarten euch am Flussufer immer wieder neue Graffitis von vielen verschiedenen Künstler:innen.

Am Güterbahnhof angekommen, solltet ihr ein bisschen Zeit einplanen. Zwischen leer stehenden Gebäuden und Bahngleisen stromert es sich besonders gut. Wer sucht, findet hier ein paar richtige Graffiti-Schätzchen. Zum Abschluss des Graffiti-Walks müsst ihr auf durch den Stauffenbergtunnel. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bahngleise erwartet euch in der Wilhelm-Busch-Straße bereits das eindrucksvolle Werk des Erfurter Künstlers Michael Ritzmann aka Dr. Molrok.  

Streetart Erfurt: Die Johannesvorstadt

Auch aus dem Straßenbild der Johannesvorstadt sind sie längst nicht mehr wegzudenken. Das mag wohl vor allem an der Größe der Graffitis liegen, die Häusergiebel und -fassaden in diesem Teil der Stadt schmücken. Ganz besonders verliebt haben wir uns in die Kaffeedame in der Rosa-Luxemburg-Straße. Vom Parkhausdach gegenüber hat man übrigens den besten Blick auf das riesige Wandgemälde. Und bekommt sofort Lust, ebenfalls an einem Heißgetränk der Wahl zu nippen. Ein Stück weiter die Straße hinauf befindet sich das Jugendhaus „Maxi“. Die bunte Fassade der Einrichtung ist definitiv auch einen Abstecher wert, ansonsten kann in dem nahe gelegenen Stadtteilpark Johannesfeld nicht nur Skater:innen zugeschaut, sondern auch die aufwendig besprühte Rampe bestaunt werden. Nach einer Runde durch den Park gehts zum Abschluss des Graffiti-Walks in die Liebknechtstraße. Gegenüber vom Pennymarkt hat die Künstlergruppe Vapour Trails ein einmaliges Wandbild geschaffen, das definitiv in Erinnerung bleibt.

Kleiner Disclaimer: Hinter vielen der abgebildeten Arbeiten steckt das Erfurter Künstler:innen-Kollektiv OQ-Paint. Bei wiederum anderen sind uns die Urheber:innen nicht bekannt. Die Auswahl an Streetart erfolgte subjektiv und aus rein ästhetischen Gründen. Da wir uns längst nicht als Expertinnen der Szene betiteln, lasst uns wissen, falls eines der Bilder fragwürdiges Gedankengut teilt und/oder Urheber:innen zugeordnet werden kann.

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